Morgen, 14 Uhr: 1. FC Saarbrücken erstmals auf der Lohmühle

Ein Mitaufsteiger gastiert zum Auftakt an der Lohmühle – also ein vermeintliches „Leichtgeweicht“ der 3. Liga? Weit gefehlt. Was im Team des 1. FC Saarbrücken steckt, hat Fußball-Deutschland eindrucksvoll erlebt, als die Mannschaft im Vorjahr als Regionalligist bis ins Halbfinale des DFB-Pokals vorstieß. In der Regionalliga Südwest lagen die Saarländer bei Abbruch der Saison relativ deutlich (sechs Punkte) vor dem Landesrivalen SV Elversberg 07, sodass es um die Meldung des FCS als Aufsteiger kaum ernsthafte Diskussionen gab. In den Prognosen der Experten wird Saarbrücken vor Saisonbeginn überwiegend als Kandidat für das gesicherte Mittelfeld gehandelt.

Mit unserem VfB hatte der 1. FC Saarbrücken bislang keinerlei Berührungspunkte. Es gab weder Punktspiel-Aufeinandertreffen noch Freundschaftsspielvergleiche.

Der FCS hat in den 117 Jahren seiner Vereinsgeschichte nicht nur Bundesliga-, sondern auch eine Europapokal-Vergangenheit. 1943 und 1952 stand der Verein im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, verlor aber jeweils gegen den Dresdner SC (0:3) bzw. VfB Stuttgart (0:3). 1955 nahm der Verein als Vertreter des damals autonomen Saarlands an der ersten Austragung des Europapokals der Landesmeister teil. Im Achtelfinale schied man trotz eines 4:3-Auswärtssieges durch ein 1:4 im Rückspiel gegen den AC Mailand aus. 1963 war der 1. FC Saarbrücken Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga, stieg aber nach einem Jahr wieder ab. Insgesamt verbrachte man fünf Jahre in der Eliteklasse, zuletzt 1992/93. Seitdem pendelt der Verein zwischen Zweit- und Fünftklassigkeit. In der 3. Liga spielte der FCS bereits von 2010 bis 2014. Bundesweit im Blickpunkt stand der Verein zudem im Pokal. Vier Mal erreichte der FCS das Halbfinale im DFB-Pokal, nach 1957, 1958 und 1985 zuletzt in der Vorsaison, als Jahn Regensburg, 1. FC Köln, Karlsruher SC und Fortuna Düsseldorf eliminiert wurden, ehe gegen Bayer Leverkusen das Aus kam.

Trainer des Traditionsvereins ist seit der Winterpause Lukas Kwasniok. Der 39-Jährige hatte zuvor den FC Carl Zeiss Jena aus einer aussichtslosen Situation noch zum Klassenerhalt in der 3. Liga der Saison 2018/19 geführt. In Saarbrücken löste er unter durchaus umstrittenen Begleiterscheinungen Dirk Lottner (heute Energie Cottbus) ab, obwohl schon der mit dem Team auf Erfolgskurs in Meisterschaft und Pokal gelegen hatte. Unter Kwasniok setzte sich die Erfolgsserie fort. Als Co-Trainer fungiert beim FCS übrigens Bernd Heemsoth. Der 53-Jährige ist der einzige im Team unseres heutigen Gastes, der eine VfB-Vergangenheit besitzt. In der Saison 1998/99 war Bernd als Libero und Kapitän unserer Grün-Weißen an der Lohmühle aktiv. Sportdirektor ist seit einigen Monaten Ex-Profi Jürgen Luginger, der auch schon als Trainer beim FCS unter Vertrag stand, ehe er aus Homburg hinter den Schreibtisch bei den Landeshauptstädtern zurückkehrte.

Unter den Akteuren sind nur wenige mit Vergangenheit in Norddeutschland. Bundesweite Bekanntheit erlangte dabei vor allem Torhüter Daniel Batz (ein Bundesliga-Spiel für Freiburg), als er im DFB-Pokal-Viertelfinale mit gleich fünf (!) gehaltenen Elfmetern gegen Fortuna Düsseldorf das Weiterkommen sicherte. Bekannteste Namen sind ansonsten der routinierte Verteidiger Christopher Schorch (stand schon bei Real Madrid unter Vertrag und spielte in der Bundesliga für Hertha und Köln) sowie die jahrelang in der 2. und 3. Liga herausragenden Tobias Jänicke (bekannt vor allem aus seiner Zeit bei Hansa Rostock) und der angolanische Nationalspieler José Pierre Vunguidica (Köln, Münster, Wiesbaden, Sandhausen). Kapitän der Mannschaft ist der defensive Mittelfeldspieler Manuel Zeitz, ein FCS-Eigengewächs, das in Nürnberg, Paderborn und Cottbus jahrelang im Profibereich aktiv war.

Der in der Vorsaison erfolgreiche Kader wurde nur punktuell verändert. Sieben Neuzugänge heuerten bei den Blau-Schwarzen an. Herausragend sind dabei sicher die Verstärkungen durch Nicklas Shipnoski, der in der vergangenen Saison noch für Wehen Wiesbaden in der 2. Bundesliga spielte, und luxemburgische Nationalstürmer Maurice Deville, der vom SV Waldhof Mannheim losgeeist wurde und ebenfalls Zweitliga-Erfahrung besitzt. Auch Marin Sverko, in der Vorsaison von Mainz 05 II zu Sonnenhof Großaspach ausgeliehen, spielte zuletzt schon in der 3. Liga. Die sieben Abgänge des FCS waren sämtlich keine unumstrittenen Stammspieler – keiner von ihnen spielt heute höher als in der Regionalliga.

Größtes Problem des Vereins war in den vergangenen Jahren das Stadion. Der Ludwigspark, eine der letzten weitläufigen Mehrzweckarena mit dem Charme der 1970er-Jahre, wird seit Jahren umgebaut und an moderne Bedürfnisse angepasst. Der FCS musste deshalb seit 2016 seine Heimspiele im Hermann-Neuberger-Stadion im 22 Kilometer entfernten Völklingen austragen. Für die aktuelle Saison wurde das Stadion am Bornheimer Hang des FSV Frankfurt als Ausweichstätte benannt. Anfang der Woche verkündete der Verein allerdings, dass der Ludwigspark bereits zum ersten Heimspiel (am kommenden Samstag gegen Rostock) wieder genutzt werden kann. Große Teile der Tribünen sind fertiggestellt, und auch der Rasen soll dann verlegt sein.
Foto Ludwigspark vom Auslegen des Rasens am 18. September, © UnserLuPa

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