Lesung auf der Lohmühle: Schiedsrichter Ittrich glänzt auch als Autor

Fotos: Agentur 54 Grad
Dass auf der Lohmühle nicht nur Fußball gespielt werden kann, zeigte sich am Montagabend wieder einmal. Auf dem Programm stand eine Lesung – doch bei der ging es natürlich auch um Fußball. Vor rund 100 Lübecker Schiedsrichtern nahm der Hamburger Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich den Begriff Lesung allerdings nicht zu wörtlich: Sein brandneues Buch „Die richtige Entscheidung: Warum ich es liebe, Schiedsrichter zu sein“ bildete nur den Rahmen für einen kurzweiligen Vortrag, der am Ende etwas mehr als die Länge eines Fußballspiels hatte.

19 Kapitel auf 224 Seiten, vielfach autobiographisch von den Anfängen in Mümmelmannsberg bis zur Bundesliga, aber auch mit interessanten Einblicken aus anderen Perspektiven (Trainer Dieter Hecking oder Aron Schmidhuber, FIFA-Referee der 1980er-Jahre) – nicht nur Schiedsrichter werden das Buch, das Ittrich zusammen mit dem NDR-Journalisten Mats Nickelsen verfasste, mit Freude lesen.

Der 41-jährige Unparteiische erklärte in Lübeck nicht nur Regeln und nicht nur, warum er sich für Fehlentscheidungen nicht entschuldigt: „Fehler einzugestehen ist wichtig. Aber zu Kreuze kriechen muss man nicht, wenn man sein Bestes versucht hat.“ Ins Zentrum seiner Schilderungen stellte er vor allem die positiven Aspekte seines Hobbys, das zum (Teilzeit-)Beruf wurde. „Man sollte nicht versuchen, Schiedsrichter zu gewinnen, weil man gerade welche braucht“, erklärte er. „Sondern weil diese Aufgabe Spaß bringt.“ Dass dies für ihn die richtige Entscheidung war, machte er deutlich: „Ein erster Höhepunkt ist immer schon das Auflaufen. Das ist geil, egal ob vor 40 Leuten in der Kreisliga oder vor 80.000 in der Bundesliga.“ Weitere Höhepunkte aus Sicht des Schiedsrichters beschrieb er mit der ersten richtigen Entscheidung, einem Tor nach einer guten Vorteilsauslegung – oder mit Spielende, wenn in der Kabine die Anspannung abfällt.

Aber Ittrich, der im Hauptberuf als Polizist für die Verkehrserziehung der Hamburger Schüler zuständig ist (in Corona-Zeiten derzeit sogar per Podcast), berichtete auch von Schwierigkeiten. Nach Aufstiegen 2007, 2008 und 2009 bis in die 2. Bundesliga folgten weniger einfache Zeiten: Einen möglichen weiteren Aufstieg verhinderte eine schwache Leistung, als Assistent wurde er Zeuge (und vielleicht Lebensretter), als Babak Rafati sich das Leben nehmen wollte, dann riss er sich zum dritten Mal das Kreuzband, ein Jahr später starb seine Mutter überraschend und viel zu früh. „Da macht man sich schon Gedanken, dass der Fußball nicht das Wichtigste im Leben ist“, erklärte der vierfache Vater. Gleichzeitig aber fokussierte er sich aber. „Wenn Ihr Euch ein Ziel gesetzt habt und es funktioniert nicht, dann holt Euch Hilfe“, appellierte er insbesondere an die jüngeren Zuhörer und befand für sich rückblickend: „Ohne die Unterstützung meines Sportpsychologen wäre ich nicht in die Bundesliga aufgestiegen.“ Diese Berufung kam dann unverhofft im Winterurlaub in Südtirol.

Inzwischen ist Ittrich ein etablierter Bundesliga-Schiedsrichter. Einer, der auf dem Feld und daneben authentisch bleibt, kommunikativ, offen und direkt. Das zeigt sich im Buch, das zeigte sich auch im persönlichen Vortrag. Die Lohmühle jedenfalls erlebte einen kurzweiligen Abend.

Wir würden uns freuen, wenn Patrick Ittrich auch bald mal wieder auf der Lohmühle zu Gast ist. Weil er ein guter Schiedsrichter ist. Vor allem aber, weil er ein guter Typ ist. Und vielleicht haben nach dem Lesen seines Buches auch einige Zuschauer mehr verstanden, dass auch Schiedsrichter sich etwas Anerkennung für gute Leistungen wünschen, wie der Hamburger offen aussprach.

Anerkennung verdient auch, dass von den 18,95 Euro für das Buch die Hälfte des Reinerlöses in die Sepp-Herberger-Stiftung fließt, die unverschuldet in Not geratenen Sportlern hilft. Das Buch ist im Verlag Edel Books erschienen und unter ISBN 978-3-8419-0704-2 überall im Buchhandel erhältlich.

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